Soziale Netzwerke gewinnen immer mehr an Bedeutung, wenn es um die spontane und undogmatische Auseinandersetzung mit aktuellen Themen geht. In Foren, auf Blogs, bei Twitter und auf Facebook (und vermutlich auch in zahlreichen anderen lokalen, nationalen und internationalen sozialen Netzwerken) organisiert sich immer öfter der Widerstand gegen die eingerostete Politik. Einen geradezu spektakulären Zulauf hat die auf Facebook von demokratischen Bloggern gegründete Initiative “No Berlusconi Day” (auch “No B-Day” oder “nbd”) die am 5. Dezember in ganz Italien und mittlerweile auch in zahlreichen Großstädten im Ausland (u.a. Amsterdam, Berlin, Buenos Aires, London, Madrid, Montreal, New York, Paris, San Francisco, Wien) Kundgebungen plant, bei denen der Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gefordert werden soll.
Schon einige Tage alt, aber immer noch aktuell ist der halbstündige Dokufilm Io non rispondo (zu Deutsch ‘Ich antworte nicht’) und nun auch in einer englischen Version (“I’m not answering“) für nicht Italophile vorhanden: Berlusconis Kampf gegen die Presse, insbesondere gegen die römische Tageszeitung La Repubblica, übrigens die auflagenstärkste Tageszeitung Italiens.
Am Wochenende fand in Rom eine beeindruckende Massendemonstration für Pressefreiheit und gegen die allgegenwärtige Medienmacht Berlusconis statt. Die wichtige Massenveranstaltung des anderen Italiens fand in der deutschen Presse nur mäßigen Widerhall (anders als in der englischen, spanischen und französischen, wo große Artikel in allen führenden Tageszeitungen veröffentlicht wurden) , obwohl sie doch Ausdruck einer durchaus lebendigen Opposition in Italien ist (nur sitzt diese eben nicht unbedingt im Parlament bei den Schnarchnasen des Partito Democratico (PD), sondern in der Redaktionen der freien und unabhängigen Tageszeitungen). Den Rest des Eintrages lesen »
Kurz nach Bekanntwerden der Klage von Silvio Berlusconi gegen die italienische Tageszeitung La Repubblica (italia-blog.de berichtete) haben drei Juristen aus dem Umfeld der L’Espresso-Gruppe inen Appell zur Freiheit der Presse verfasst, den mittlerweile fast 300.000 Personen unterzeichnet haben. Der Text liegt sowohl in italienischer, als auch in englischer Sprache auf repubblica.itvor, ich habe mir erlaubt den Text hier auf Deutsch zu übersetzen mit der Bitte ihn zu unterzeichnen.
Am Wochenende hat Berlusconi auf den Vorwurf der mangelnden Pressefreiheit mit zynischen Bemerkungen und den üblichen Schuldzuweisungen reagiert (Es sei alles ein Komplott der Kommunisten). Die deutsche Presse hat sich am Wochenende mehr über die Enthüllungen der Noemi Letizia interessiert (die ich hier bewusst ignoriert habe), als für den wirklich Skandal, der in Italien stattfindet, darum hier mein “Beitrag” zur aktuellen Diskussion:
Der Appell der drei Juristen
Die Klage gegen “La Repubblica”, deren Vorwurf der üblen Nachrede nur das neueste Kapitel in einer Reihe von Angriffen ist, ist nur als Versuch interpretierbar, die Presse zum Schweigen zu bringen, die öffentliche Meinung zu betäuben, uns (die Italiener, Anm. d. Red.) vom internationalen Nachrichtenaustausch zu isolieren, unser Land definitiv zu einer Ausnahme der Demokratien zu machen.
Die Fragen an den Ministerpräsidenten sind echte Fragen, die das Interesse nicht nur der italienischen, sondern der gesamten Weltpresse geweckt haben. Wenn er sie als “rhetorisch” einschätzt, weil sie unangenehme Antworten für den Befragten suggerieren würden, dann gibt es nur einen Weg, um diese zu entkräften: Nicht jenen zum Schweigen zu bringen, die die Fragen stellen, sondern sie zu beantworten.
Stattdessen wird der Weg der Einschüchterung beschritten, gegen jene die das Recht und die Pflicht haben “über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten”, so wie es Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 vorsieht, verabschiedet von der Versammlung der Nationen, als die Erinnerung an die Degeneration der Information zu Propaganda unter den unfreien und antidemokratischen Regimes des letzten Jahrhunderts lebendig war.
Es überrascht und beunruhigt, dass solche Angriffe nicht einmütig verurteilt werden, dass über sie noch nicht einmal in den Medien berichtet wird und dass es Anwälte gibt, die bereit sind, diesen eine juristische Form zu verleihen, ohne dabei zu berücksichtigen, welchen Schaden sie damit für die Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit des Rechts zufügen.
Der Appell wurde von mir nach besten Wissen und Gewissen aus dem italienischen Original unter Berücksichtigung der englischen Übertragung übersetzt, für etwaige Fehler kann ich dennoch leider keine Haftung übernehmen. Das Zitat aus der Menschenrechts-Charta ist dieser Seite entnommen.
Reproduktion der Übersetzung ausdrücklich erwünscht, um einen Beleg (mit namentlicher Nennung und Verlinkung auf diese Seite) wird gebeten.
Seit über 100 Tagen wartet die römische Tageszeitung La Repubblica auf Antworten auf zehn Fragen, die die Zeitung im Zusammenhang mit der “Affäre Noemi Letizia” und vieler Ungereimtheiten in den Äußerungen der Beteiligten gestellt hat. Lange schwieg der italienische Ministerpräsident zu den Fragen und sprach generell nur von “Angriffen der linken Presse” und empfahl seinen Wählern und Parteigängern einen Anzeigenboykott. Nun hat Silvio Berlusconi die unabhängige italienische Verlagsgruppe L’Espresso (in der die Repubblica erscheint) auf 1 Mio. Euro Schadensersatz verklagt. Neben der Repubblica sollen nun auch andere europäische Zeitungen und die britische Nachrichtenagentur Reuters verklagt werden. Es geht um “schwere Fälle von Rufmord” und um die Veröffentlichung von nicht-autorisierten Bildern aus der Privatvilla Berlusconis (“Villa Certosa”) auf Sardinien, die wenig bekleidete junge Frauen zeigen.
Italiens staatliche Medienanstalt Rai und ebenso die private, Berlusconi-eigene Mediengruppe Mediaset (mit den populären Sendern Italia 1, Canale 5 und Retequattro) haben sich geweigert den Trailer für den im September in Italien anlaufenden Film Videocracy auszustrahlen. Der Film des in Schweden lebenden italienischen Filmemachers Erik Gandini enthalte «eine politische Botschaft und sei kein Film» (sic!), berichtete der Sprecher der italienischen Vertriebsfirma Fandango des Films Domenico Procacci über die Absage. Noch eindeutiger die Absage der Mediaset-Gruppe: «Sie haben gesagt, dass der Trailer ein Angriff auf das System des kommerzielle Fernsehen sei und sie es deswegen nicht für sinnvoll erachten würden, ihn auf den Frequenzen der Mediaset-Sender auszustrahlen». Den Rest des Eintrages lesen »
Der italienische Premierminister Silvio Berlusconi hat mal wieder Ärger mit der Presse. In einem Interview mit einem Journalisten der Nachrichtensendung TG3 des 3. italienischen Programms Raitre ging Berlusconi zum Angriff über: «Sie gehören zu einer Redaktion die gestern Abend vier streitbare Nachrichten gebracht hat. Ich nutze die Gelegenheit um zu sagen, dass der Staatsdienst (gemeint ist die staatliche Fernsehanstalt Rai, Anm. der Red.) weder mich oder meine Regierung, noch die Opposition angreifen sollte». Im Verlauf der sichtlich wütenden Erklärung war er der Rai vor, auf Kosten der Fernsehgebühren der Italiener gegen die Regierung zu polemisieren, derweil die Rai zu Zeiten der Mitte-LinksVorgänger-Regierung unter Romano Prodi ständig gegen die Opposition (also die jetzige Mitte-Rechts-Regierung) gewettert hätte (Die gesamte, ungekürzte Interview-Passage findet sich → hier). Den Rest des Eintrages lesen »