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von Sandro Valecchi

Für Italien war es eine wichtige Woche in Punkto Refinanzierung und zugleich ein Test, ob Italien den Ansprüchen der Märkte standhalten kann. Thema Staatsanleihen: positiv ist zu vermerken, dass sich Italien zum ersten Mal seit den Turbulenzen des vergangenen Herbst 2011 wieder mit einer Restlaufzeit von mehr als 10 Jahren an den Markt wagte. Weniger zufriedenstellend ist hingegen das Gesamtergebnis, zumal eine Auktion von Anleihen mit verschiedenen Laufzeiten am Donnerstag mit eher mäßigem Erfolg über die Bühne gebracht wurde.

Die Sorge um die finanzielle Refinanzierungsfähigkeit von Spanien, Portugal und jetzt auch wieder Italien führte an den Märkten prompt zur Wiederauflage des Krisengeredes. Anleiheauktionen sorgen für Missstimmung und infiltrieren die Märkte, die mit Abschlägen auf die Ergebnisse der Auktion italienischer Anleihen mit einer Laufzeit bis 2015 reagieren, so die einschlägigen Kommentierungen der Fachpresse. Ist das tatsächlich so? Richtig ist, dass Italien beispielsweise mit Aktuell 3,89 % deutlich höhere Zinsen bedienen muss, nachdem der Zinsdienst zuletzt auf dem beherrschbaren Niveau von 2,76 % rangierte. Die Refinanzierungskosten für Italien sind damit wieder angestiegen, keine Frage. Aber hatte diese Anleiheauktion wirklich Auswirkungen auf Korrekturen im Dax?

Grundsätzlich gilt für Staatsanleihen: Bezieht ein Anleger Staatsanleihen/Staatsobligationen, so gewährt er dem ausstellenden Staat (Emittent) einen Kredit. Der Anleger trägt das Risiko, sowohl die Kreditsumme wie auch die Zinsen nicht oder nur teilweise zu erhalten. Je höher das Risiko, desto höher auch der in Aussicht gestellte Gewinn (die Verzinsung). Bei der Risikobewertung verlässt sich die Mehrzahl der Akteure in der Finanzwelt auf Ratingagenturen.

Allerdings wird im Übereifer der stets kontrovers geführten Diskussion um Italienische Anleihen übersehen, dass diese Staatsleihen in Deutschland praktisch nicht gehandelt werden! Punkt.

Richtig ist vielmehr, dass der deutsche Anleger allenfalls mittelbar betroffen wird, etwa indirekt bei den Rentenfonds. Diese stehen aktuell ohnehin nicht auf der Wunschliste vieler Anleger. So scheint es offenbar als „nützliches, vorgeschobenes Argument“ herhalten zu müssen, die Korrekturen im Dax mit dem Gerede um Krisenängste begründen zu wollen.

Zwar steht Italien weiterhin im Focus der Ratingagenturen und dies drückt natürlich auch auf den Kurs italienischer Staatsanleihen. Als das Votum für die künftige Kreditwürdigkeit Italiens durch die Ratingagenturen von stabil auf negativ gesenkt wurde, haben erwartungsgemäß die Anleihenmärkte negativ auf diese Einstufung reagiert. Die Renditeaufschläge sind natürlich deutlich gestiegen.

Nur eine italienische Euro-Anleihe ist an der deutschen Börse notiert. Dieses Rentenpapier ist im Juli 2016 fällig und rentiert aktuell mit 4,119 %. Eine ähnliche Bundesanleihe bringt es derzeit auf 2,575 %. Diese Anleihe wird allerdings an der Berliner Börse nur sporadisch gehandelt. Innerhalb der deutschen Börsen werden ansonsten lediglich Dollar- und Franken-Anleihen gehandelt. Deutsche Anleger sind demnach objektiv wohl kaum betroffen und sollten sich auch nicht vom aktuellen Gerede um eine Neuauflage der Krise verrückt machen lassen.

Aktuell standen jetzt 4 Anleihen in der Auktion in Rom zur Disposition und erbrachten eine Einnahme von 4,88 Mrd. Euro. Avisiert waren 5 Milliarden Euro. Dieses Wunschergebnis wurde knapp verfehlt. 1,75-fach überzeichnet war hingegen die Anleihe mit der Laufzeit von 11 Jahren (bis 2013), die eine Summe von 918 Mio. Euro dem italienischen Fiskus einbrachte und offensichtlich auch kritische Investoren zufrieden zu stellen vermochte. Der durchschnittliche Zinssatz bilanziert bei 5,57 % und liegt damit leicht über den Renditen für richtungweisende zehnjährige Anleihen am Sekundärmarkt, liegt somit im Rahmen und bezeichnet kein substanzielles Risiko.

Das italienische Schatzamt stockte zusätzlich 2 Anleihen mit Restlaufzeiten von jeweils drei Jahren auf und erwirtschaftete damit 395 Mio. Euro beziehungsweise 2,88 Mrd. Euro. Zwar hat sich die Bid-to-Cover-Ratio leicht verschlechtert und die durchschnittlichen Rendite-Verpflichtungen (5,04 %) stiegen gegenüber dem Vormonat spürbar an. Gestern, am Mittwoch, hatte Italien weitere 11 Mrd. Euro am Geldmarkt aufnehmen können.

Fazit: Die Papiere wurden in manchen Fällen besser gezeichnet als in den vergangenen Monaten. Der Papierverkauf legt nahe, dass eine Nachfrage nach Staatsanleihen hoch bleiben werde.

Ein ganz entscheidender Punkt für die Dynamik und Aufrechterhaltung des Wachstums an den Märkten dürfte die Rohstoff- und Energieversorgung sowie die diesbezügliche Preisfindung sein: „Hohe Öl- und Benzinpreise bereiten Sorge.“

Sandro Valecchi, Analyst, 10555 Berlin© Sandro Valecchi, Analyst, 10555 Berlin

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Nicht, dass es irgendetwas Neues zu sagen gäbe bezüglich der weltweiten Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf Italien; nicht, dass es verwunderlich ist, dass das riesige italienische Defizit nun ins Blickfeld der Finanzmärkte gerät und Anlass für Spekulationen ist, aber es ist doch immerhin bemerkenswert, dass die italienische Politik genau so reagiert, wie man es nach der Abwertung italienischer Staatsanleihen durch die Rating-Agentur Standard & Poor (Nomen est omen?) erwarten konnte. Statt konstruktiv und aktiv an der Überwindung der Vertrauenskrise zu arbeiten, wird nun fleißig gestritten. Berlusconi gibt den bösen Medien die Schuld (die Richter kann er ja dafür leider nicht direkt verantwortlich machen), die Opposition gibt (nicht ganz zu Unrecht) Berlusconis stillstehender Regierung die Schuld und fordert seinen Rücktritt ohne eine sinnvolle Alternative zu präsentieren, weder personell noch politisch, die Lega Nord verfällt in populistische Sezessionsankündigungen und tut so, als sei sie gar nicht mehr Teil der Regierung, die diese Vertrauenskrise herbei geführt hat, kurzum: Alle streiten, keiner handelt. Das unausgegorene Sparpaket der Berlusconi-Regierung wird durchgeboxt (und noch weitere werden folgen), die Opposition redet viel und laut, bleibt aber letzten Endes ohnmächtig, weil sie sich durch eine Totalverweigerung die Mitgestaltungsmöglichkeit an diesen Entscheidungen von nationalem Interesse verbaut hat. Und blickt man in die italienischen Zeitungen, dann scheinen Berlusconis Sex, Lies & Videotapes, Bossis Padania und natürlich die fußballerische Krise von Inter wichtiger zu sein, als die Auswirkungen der Herabstufung auf den angestrebten Ausgleich des Staatsdefizits. Das Kind fällt gerade in den Brunnen, aber … ach … es fällt ja noch, es ist nicht aufgeschlagen und selbst wenn es im Wasser zu ertrinken droht, wird man in Italien einen Weg finden, die Auswirkungen zu ignorieren und lieber noch ein wenig zu streiten. Nicht um der Sache wegen, sondern aus Reflex, aus Ritual und aus purem Hass gegenüber dem gegnerischen politischen Lager.

Nein, wirklich nichts Neues. In Italien bewegt sich nichts. Und es wird sich auch nichts bewegen, solange die Konstellation unter Berlusconi so festgefahren bleibt. Und Neuwahlen oder eine wie auch immer geartete andere, neue Regierung wird vermutlich nicht viel besser mit den Problemen umgehen können, denn sie wird sich genauso im Kreuzfeuer einer lautstarken, destruktiven Kritik befinden, wie die Regierung jetzt.

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