Dass ich das noch miterleben darf…
Posts Tagged “Berlusconi”Dass ich das noch miterleben darf…
Sep
21
2011
Finanzkrise in Italien? Wir streiten lieber weiterGeschrieben von sal in Politica, tags: Berlusconi, FinanzkriseNicht, dass es irgendetwas Neues zu sagen gäbe bezüglich der weltweiten Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf Italien; nicht, dass es verwunderlich ist, dass das riesige italienische Defizit nun ins Blickfeld der Finanzmärkte gerät und Anlass für Spekulationen ist, aber es ist doch immerhin bemerkenswert, dass die italienische Politik genau so reagiert, wie man es nach der Abwertung italienischer Staatsanleihen durch die Rating-Agentur Standard & Poor (Nomen est omen?) erwarten konnte. Statt konstruktiv und aktiv an der Überwindung der Vertrauenskrise zu arbeiten, wird nun fleißig gestritten. Berlusconi gibt den bösen Medien die Schuld (die Richter kann er ja dafür leider nicht direkt verantwortlich machen), die Opposition gibt (nicht ganz zu Unrecht) Berlusconis stillstehender Regierung die Schuld und fordert seinen Rücktritt ohne eine sinnvolle Alternative zu präsentieren, weder personell noch politisch, die Lega Nord verfällt in populistische Sezessionsankündigungen und tut so, als sei sie gar nicht mehr Teil der Regierung, die diese Vertrauenskrise herbei geführt hat, kurzum: Alle streiten, keiner handelt. Das unausgegorene Sparpaket der Berlusconi-Regierung wird durchgeboxt (und noch weitere werden folgen), die Opposition redet viel und laut, bleibt aber letzten Endes ohnmächtig, weil sie sich durch eine Totalverweigerung die Mitgestaltungsmöglichkeit an diesen Entscheidungen von nationalem Interesse verbaut hat. Und blickt man in die italienischen Zeitungen, dann scheinen Berlusconis Sex, Lies & Videotapes, Bossis Padania und natürlich die fußballerische Krise von Inter wichtiger zu sein, als die Auswirkungen der Herabstufung auf den angestrebten Ausgleich des Staatsdefizits. Das Kind fällt gerade in den Brunnen, aber … ach … es fällt ja noch, es ist nicht aufgeschlagen und selbst wenn es im Wasser zu ertrinken droht, wird man in Italien einen Weg finden, die Auswirkungen zu ignorieren und lieber noch ein wenig zu streiten. Nicht um der Sache wegen, sondern aus Reflex, aus Ritual und aus purem Hass gegenüber dem gegnerischen politischen Lager. Nein, wirklich nichts Neues. In Italien bewegt sich nichts. Und es wird sich auch nichts bewegen, solange die Konstellation unter Berlusconi so festgefahren bleibt. Und Neuwahlen oder eine wie auch immer geartete andere, neue Regierung wird vermutlich nicht viel besser mit den Problemen umgehen können, denn sie wird sich genauso im Kreuzfeuer einer lautstarken, destruktiven Kritik befinden, wie die Regierung jetzt.
Jun
21
2011
Angry Bunga – das Spiel zum MinisterpräsidentenGeschrieben von sal in Offtopic, Panorama, tags: Angry Bunga, BerlusconiEndlich! Der traditionsreiche Bunga-Bunga-Kult wurde in einem anspruchsvollen Spiel pädagogisch sinnvoll umgesetzt! OK, eigentlich ist es eine Werbemail, die ich da bekommen habe, der Gegenstand der Werbung ist allerdings so interessant, dass ich ihn euch nicht vorenhalten möchte. Endlich: Das Spiel für’s iPhone, für den iPad und Android: Angry Bunga!Glaubst Du auch, dass ständig jemand Deine (ja Deine!) persönliche Freiheit beschneiden will? Siehst Du auch überall die rote Gefahr? Fühlst Du Dich verfolgt von bösen Staatsanwälten, Journalisten und der hinterhältigen (kommunistischen) Opposition? Dann ist Angry Bunga genau das richtige Spiel für Dich! Oh, es gibt so viele Hindernisse, die man bewältigen muss: Gerichtsprozesse, Müll, Top-Models. Wie kann man da bloß bestehen? Oh, keine Sorge! Du hast Bananen, Liebesäpfel, Müllsäcke … und massenweise Geldsäcke! Vermeide den großen Sex-Skandal in dem Du Showgirls, Hostessen und blutjungen Daddy’s Girls einige Gefälligkeiten erweist. Nutze hierfür alle Waffen, die Dir zur Verfügung stehen und werde der ewig junge, alle Herzen erobernde, unwiderstehlich sympathische Gouverneur. Errichte Deinen Thron in der großartigen, völlig fiktiven Angry Bunga Banana Republic!
Und bevor ihr fragt: Nein, ich habe keinen wirtschaftlichen Nutzen von der Werbung für dieses Spiel. Ich verdiene nichts daran, ich mache es nur so, aus Boshaftigkeit. Und weil es bezeichnend ist, wie tief Berlusconi im Ansehen der Bürger (mancher Bürger, vieler Bürger, vermutlich der meisten Bürger) gefallen ist.
Jun
13
2011
Ciao Atomkraft, ciao Privatisierung und Kommerzialisierung der öffentlichen Wasserversorgung, ciao Lex Berlusconi – benvenuta democrazia popolare!Geschrieben von sal in Politica, tags: Atomausstieg, Berlusconi, Lex Berlusconi, öffentliche Güter, ReferendumOh, Silvio, es hat nichts genutzt! Gar nichts genutzt. Die vier Referendum des Pfingstwochenendes erreichen mit ca. 57% (noch läuft die Auszählung und ich stütze mich auf sehr stabile Hochrechnungen, aktuelle Zahlen → hier) deutlich die geforderte Mindestbeteiligung von 50% (+1 Stimme). Bei ihnen ging es um den Bau neuer Atomkraftwerke (und Zwischen-/Endlager), die Privatisierung und Kommerzialisierung der Wasserversorgung und – last but certainly not least – um den Schutz der höchsten politischen Amtsträger (also des Ministerpräsidenten Berlusconi, c’mon, um ihn ging es wirklich in personam) vor juristischer Strafverfolgung. Berlusconi und seine demagogisch äußerst beschlagene Regierungsmannschaft hatten in den vergangenen Wochen öffentlich zum Wahlboykott aufgerufen (“Also ich fahre ans Meer”), aber es hat nichts genutzt. 95% der Wähler gegen die expliziten Berlusconi-PläneDie Italiener haben offensichtlich über alles politische Lagerdenken hinweg sämtlichen Lieblingsprojekten und Gesetzesvorhaben der rechtspopulistisch/wirtschaftlich-neoliberalen Regierung Berlusconis eine klare, geradezu kommunistische Absage (ha! Beccati questo, Berlusca!) erteilt. Mit geringen Abweichungen untereinander haben die Italiener mit 94-95% gegen die Pläne von Berlusconi und seiner Lakaien gestimmt: Das Wasser bleibt in öffentlicher Hand und darf nicht zum Profit- und/oder Privatunternehmen umgedeutet werden; der von der Regierung illegal propagierte Wiedereinstieg in die Atomenergie (Italien hatte sich bei einem Referendum 1987 schon einmal rechtsverbindlich zu 80% gegen die Atomkraft ausgesprochen und war eigentlich damit das erste G7-Land, das den Atomausstieg aktiv beschlossen hatte) und die sogenannte Lex Berlusconi, die Regelung, die die höchsten politischen Amtsträger (Ministerpräsident, Parlamentspräsident, Staatspräsident etc.) von der Pflicht befreien sollte, sich vor Gericht zu verantworten zu müssen, wurden quasi einstimmig – mit satten weit-über-90-Prozent-plus-fettes-X-Mehrheit (wie bei den Kommunisten, vor denen Berlusca immer warnt, hihi) abgelehnt, bei einer Wahlbeteiligung, die es in Italien bei nationalen Referendums schon lange nicht mehr gegeben hat.
Mai
31
2011
Nach den Kommunalwahlen in Italien: Grazie ItaliaGeschrieben von sal in Politica, tags: Berlusconi, Wahlen
Schon im ersten Jahrgang vor zwei Wochen waren die absoluten Mehrheiten in den wichtigen Städten Turin, Bologna und Olbia an die Mitte-Links-Kandidaten gegangen. Insgesamt konnten Mitte-Links-Kandidaten in 60 Gemeinden die erforderliche absolute Mehrheit erringen, das sind 11 mehr als bei den Kommunalwahlen 2006. Erstaunlich ist, dass die Regierungskoalition auch viele ihrer Hochburgen im Norden und im Süden verloren hat – vor allem in den großen Städten sitzen nun “Kommunisten” (wie Berlusconi sich auszudrücken pflegt) im Stadtrat. Ja natürlich war meine Meldung gestern nur ein Aprilscherz. Aber ich weigere mich zu glauben, dass der Rücktritt Berlusconis und gegebenenfalls seine Flucht »doch zu schön um wahr zu sein« wäre. Ich glaube, es ist nicht zu schön, sondern bitter nötig und nicht unwahrscheinlich. Schweine können fliegen. Die aktuellen politischen Ereignisse überall in der Welt, von der arabischen Welt bis hin zur Abwahl der CDU in Baden-Würtemberg, zeigen doch ganz genau, dass politische Veränderungen, auch die unwahrscheinlichsten möglich sind, wenn das Volk es nur wirklich will und etwas dafür tut. Alle macht geht vom Volke aus, oder? Und vielleicht haben noch nicht alle Italiener die Schnauze voll genug von Berlusconis Affären, Machenschaften. Intrigen, Lügen und perfidem Eigennutz-Denken. Aber es wird geschehen. Und der Song von Tiziano Toniutti, den ich euch im gestrigen Artikel als “Quelle” genannt habe, ist außerdem auch hörenswert
Apr
01
2011
Berlusconi vor drohender Verhaftung ins Ausland geflüchtetGeschrieben von sal in Politica, tags: Berlusconi, RücktrittEs hatte sich bereits in den letzten Tagen und Wochen angekündigt, dass sich das Netz um den (ehemaligen) italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi immer enger zog. Der wegen Amtsmissbrauch und Prostitution Minderjähriger in Mailand angeklagte 74-jährige (italia-blog.de berichtete) hat sich offenbar gestern am frühen Abend mit seinem Privatjet in einen Karibikstaat geflüchtet und soll so seiner drohenden Verhaftung durch die Mailänder Polizei zuvorgekommen sein. Bermudas oder BahamasAus unbestätigten Quellen hieß es, er sei in der Hauptstadt der Bermuda-Inseln Hamilton gelandet; andere Agenturen melden die Bahamas als möglichen neuen Aufenthaltsort. Gestern Mittag war Berlusconi mit seinem Anliegen gescheitert, den sogenannten “processo breve” (zu Deutsch ‘schneller Prozess‘) durch das Parlament zu boxen, ein Gesetz, das dem Angeklagten Straffreiheit zusichern soll, wenn bestimmte sehr kurze Verjährungsfristen nicht gewahrt werden, ein Gesetz, von dem zweifelsohne auch Silvio Berlusconi profitiert hätte und von dem er wohl auch sein persönliches Schicksal abhängig gemacht hat. Fini leitet AmtsgeschäfteWie heute morgen bekannt wurde, hatte er gestern am späten Nachmittag bei einem Geheimtreffen mit Staatspräsident Giorgio Napolitano seinem Rücktritt im Eilverfahren eingereicht (seit 2009 gibt es in Italien ein Gesetz, dass er ermöglicht, Politiker formlos aus dem Amt zu entlassen, ohne dass ihre Pensionsansprüche davon betroffen seien, wenn ihr Leib oder Leben bedroht wird!) und verfassungskonform den derzeit pausierenden, aber sich immer noch formell im Amt befindlichen Parlamentspräsident Gianfranco Fini mit der kommissarischen Leitung der Amtsgeschäfte betraut. Fini sprach heute morgen in einer Pressekonferenz vom »schönsten Tag in meinem Leben« und kündigte eine »Regierung der nationalen Einheit« an, die alle demokratischen Kräfte Italiens vereinen soll. Er betonte, dass damit die Lega Nord als »verfassungswidrige, nicht an der Einheit Italiens interessierte Separatistenbewegung von Spinnern« ausdrücklich davon ausgenommen sei. Fini hatte bis Ende 2010 als Teil der Berlusconi-Partei Il popolo della libertà mit der Lega Nord als Koalitionspartner zusammengearbeitet. Merkel wünscht gemeinschaftliche Lösung gegen StaatskriseIn einem ersten Statement aus Berlin hieß es, Angela Merkel »beglückwünsche den ehemaligen europäischen Partner Berlusconi zu seiner mutigen Entscheidung«. Merkel betonte Italien müsse nun»eine gemeinschaftliche Lösung finden«, um die drohende Staatskrise zu bewältigen. Auswirkungen auf die Stabilität des Euro befürchtet sie auf Anfrage derzeit nicht. Außenminister Westerwelle ergänzte, dass das Beispiel von Berlusconis Rückzug zeige, dass es nichts nütze »wenn Politiker mit abgelaufenen Politik-Modellen sich an ihre Macht zu klammern versuchen«. »Italia democratica« als neues Regierungsbündnis?Die italienischen Medien sind sich einig, dass es innerhalb der nächsten zwölf Wochen Neuwahlen in Italien geben wird. Mit einem Wahlsieg des eilig formierten Bündnisses “Italia democratica” des Mitte-Links-Partei Partito Democratico gemeinsam mit Antonio Di Pietros linksliberaler Bewegung Italia dei valori und Finis Mitte-Rechts-Partei Futuro e libertà wird allgemein gerechnet. Weitere Infos zum überstürztem Rückzug Berlusconis findet man → hier |