Der eine oder andere italia-blog.de-Leser wird wissen, dass ich mich beruflich und auch privat intensiv mit Musik beschäftige. Dabei beobachte ich seit einigen Monaten die sogenannte “Freie Musikszene” besonders intensiv. Abseits der klassischen Vertriebswege und der kommerziellen Plattenfirmen hat sich eine florierende Alternativ-Kultur entwickelt, in der Künstler ihre Werke den Interessierten kostenlos zur Verfügung stellen. Spenden sind möglich, meistens sogar erwünscht, aber nicht immer notwendig. Diese Musik wird mit einer Creative-Commons-Lizenz versehen, die das kostenlose Weitergeben legal ermöglicht. Ich habe an dieser Stelle bereits das eine oder andere Mal auf empfehlenswerte kostenlose italienische Musik im Netz hingewiesen. Mit etwas Geduld findet man in quasi jedem Genre viele kleine und große Perlen, die man einfach so kostenlos herunterladen darf – und seinen Freunden brennen, kopieren und weiterempfehlen kann (wer Interesse hat, der sollte unbedingt mal in meinem blog.about-music.de vorbeischauen, dort veröffentliche ich regelmäßig Artikel über empfehlenswerte, kostenlose Downloads). Den Rest des Eintrages lesen »
Alle, die wie ich Lucio Dalla (4.3.1943 – 1.3.2012) vor einigen Tagen als Dirigenten und Co-Sänger beim 62. Festival della Canzone Italiana diSanremo 2012 gesehen haben wissen, dass Dalla kein alter, gebrechlicher Mann war, sondern dass er so viel Vitalität, Zufriedenheit und Freude ausstrahlte, wie schon lange nicht mehr. Seine Auftritte als Dirigent schienen ihm sichtlich zu gefallen und sein Schützling, Pierdavide Carone, erwies sich als der intensivste Sänger des Festivals, auch dank des von Dalla mitgeschriebenen Songs und dank Dallas kongenialer zweiter Stimme (mit Headset vom Dirigentenpult gesungen).
Im Internet ist nun ein Amateur-Video aufgetaucht, das auf seinem letzten Konzert, am Vorabend seines Todes am 29. Februar 2012 aufgenommen wurde. Der Titel Le rondini erschien 1990 auf dem Album »Cambio« (s. oben), einem der vielen Wendepunkte in der Karriere des Bologneser Cantautore. Nun weiß ich sehr wohl, dass es so etwas wie einen Schwanengesang, also einen besonders schönen, traurigen, intensiven Gesang vor dem Tod weder bei den besagten Tieren, noch bei großartigen Künstlern gibt (auch wenn Dalla selbst darüber in seinem Song Caruso sang), aber diese wundervolle Ballade, so intensiv vorgetragen, von einem Lucio Dalla, der offensichtlich in künstlerischer Hochform war, ist dennoch ein traurig-schöner, fast tröstender Schlusspunkt für einen Mann, dessen Leben ohne Musik nicht vorstellbar gewesen ist, auch darüber sang er, in Tutta la vita in seiner ironisch-melancholischen Art.
Gerade erreicht mich die traurige Nachricht, dass Lucio Dalla, der vermutlich einflussreichste italienische Cantautore seiner Generation, heute Nacht nach einem Konzert in Montreux/Schweiz an einem Herzinfarkt gestorben ist. Ich kann meine Trauer nicht in Worte fassen und bin tief erschüttert. Italien verliert einen Ausnahmemusiker und einen Menschen, der stets sich selbst treu blieb und seinen individuellen Weg unbeirrbar ging.
Es wäre unmöglich für mich formulieren zu wollen, wie wichtig seine Musik, seine Texte für mich waren und wie tief mich immer wieder seine Poesie beeindruckt und beeinflusst hat. Lucio Dalla war für mich nicht nur der Sänger von bekannten Lieder wie 4/3/43 oder Caruso, gerade seine unbekannteren Songs wie Tu Come Eri, Aquila, Chissà Se Lo Sai, Washington, Comunista, Camion, Rispondimi usw. hinterließen dauerhafte Spuren in mir und prägten mein Verständnis von italienischer Poesie, so wie es vielleicht sonst nur noch Fabrizio De Andrè getan hat.
Ich bin unendlich traurig.
Hier sein letzter Auftritt in Italien beim diesjährigen Sanremo-Festival als Dirigent und Co-Sänger bei Pierdavide Carones exzellentem Beitrag Nani’, ein Song, der deutlich von Dallas wundervoller zweiter Stimme profitierte.
Eine der größten Enttäuschungen des 62. Festival della Canzone Italiana aka. Sanremo 2012 war wohl die Nachwuchs-Sektion, jetzt trendy umbenannt in Sanremo Social unter halbherziger Einbindung von Facebook. Die vorgestellten acht Nummern waren zum größten Teil erschreckend bieder und belanglos, die jungen Hüpfer eher mäßig talentiert und durch das aufgeblasene Konzept der Sanremo-Woche wurden die Nachwuchs-Acts, einst der ganze Stolz des Festivals, völlig an den Rand gerückt. Mir ist es unverständlich, wieso die arrivierten Acts ihre Songs x-mal präsentieren dürfen, während für die Hälfte der Nachwuchskünstler das Festival nach dem ersten Auftritt beendet ist, weil jeweils zwei Acts in einem ‘Battle’ gegeneinander antreten. Doofe Regeln, die belegen, dass es bei Sanremo gar nicht mehr um die Musik geht, sondern um das Lancieren von neuen Platten arrivierter Künstler, die von Plattenfirmen gerade promotet werden.
Bei Sanremo Social hatten offenbar dieses Jahr die kleinen Mädchen die flinkesten Finger beim Televoting (wie generell bei Casting-Shows wohl der Wähler-Anteil der jungen Mädchen überdurchschnittlich ist), denn es wurden vorzugsweise ‘süße Jungs’ gewählt, deren Lieder zwar mäßig waren, die aber dafür über die aktuelle Justin-Bieber-Frisur verfügten. Den Rest des Eintrages lesen »
Die vielleicht größte Überraschung des 62. Festival della Canzone Italiana aka. Sanremo 2012 war für mich die Sängerin Arisa. Ich hatte die junge Süditalienerin als äußerst skurrile, aber wirklich nicht sonderlich geschmackssichere, teilweise sogar extrem nervtötende Interpretin nichtssagender, auf altmodisch getrimmter Ohrwurm-Lieder kennengelernt. Beim Publikum kam sie damit allerdings ziemlich gut an: Sie hatte bei Sanremo 2009 den Nachwuchswettbewerb mit einer elend nervigen Nummer gewonnen und wusste sich im Folgejahr bei den Big mit einer ähnlich gearteten Nummer ebenfalls gut in Szene zu setzen. Vielleicht bin ich zu alt für diese Art von Ironie? Ich fand sie in Vergangenheit auf jeden Fall ziemlich schrecklich. Den Rest des Eintrages lesen »
Das 62. Festival della Canzone Italiana aka. Sanremo 2012 ist Geschichte, die Gewinner sind gekürt, die Skandale sind ausgekostet, die Kritik beruhigt sich langsam. Unterm Strich bleibt ein es ein durchschnittliches Festivals mit vielen mediokren Songs, wenigen Highlights aber immerhin auch weniger Totalschäden (anders als in den letzten Jahren). Auf ihre trashige Art fand ich die blöde, peinliche Discopop-Nummer von Gigi D’Alessio und Loredana Berté sogar weniger schlimm (im Sinne von nervig und peinlich), als die vergleichbaren Beiträge der letzten Jahre von Patty Pravo, Al Bano (Sanremo 2011) oder – ganz ganz schlimm – Pupo, Emanuele Filiberto e Luca Canonici und Povia (Sanremo 2010). Den Rest des Eintrages lesen »
Am Karfreitag habe ich euch ja schon in einem kurzen Video den Cantautore Roberto Billi an Herz gelegt. Zum heutigen Feiertag möchte ich euch, quasi als musikalische Begleitung für den Feiertag, seine zwei Alben “Diario di un equilibrista” (Tagebuch eines Seiltänzers) und “Modernamente demodé” (Modern altmodisch) wärmstens ans Herz legen. Beide sind bereits 2008 erschienen (ein neues Album namens “MalinComico” ist in Vorbereitung) und beide stehen zum kostenlosen Download (als MP3s) im Downloadbereich seiner Homepage bereit.