Logo Sanremo 2012 (c) rai.itEine der größten Enttäuschungen des 62. Festival della Canzone Italiana aka. Sanremo 2012 war wohl die Nachwuchs-Sektion, jetzt trendy umbenannt in Sanremo Social unter halbherziger Einbindung von Facebook. Die vorgestellten acht Nummern waren zum größten Teil erschreckend bieder und belanglos, die jungen Hüpfer eher mäßig talentiert und durch das aufgeblasene Konzept der Sanremo-Woche wurden die Nachwuchs-Acts, einst der ganze Stolz des Festivals, völlig an den Rand gerückt. Mir ist es unverständlich, wieso die arrivierten Acts ihre Songs x-mal präsentieren dürfen, während für die Hälfte der Nachwuchskünstler das Festival nach dem ersten Auftritt beendet ist, weil jeweils zwei Acts in einem ‘Battle’ gegeneinander antreten. Doofe Regeln, die belegen, dass es bei Sanremo gar nicht mehr um die Musik geht, sondern um das Lancieren von neuen Platten arrivierter Künstler, die von Plattenfirmen gerade promotet werden.

Bei Sanremo Social hatten offenbar dieses Jahr die kleinen Mädchen die flinkesten Finger beim Televoting (wie generell bei Casting-Shows wohl der Wähler-Anteil der jungen Mädchen überdurchschnittlich ist), denn es wurden vorzugsweise ‘süße Jungs’ gewählt, deren Lieder zwar mäßig waren, die aber dafür über die aktuelle Justin-Bieber-Frisur verfügten.

Die Mailänderin Celeste Aida (großartiger Name!) flog bereits am ersten Abend aus dem Wettbewerb (sie verlor haushoch gegen die späteren Zweitplatzierten von Io ho sempre voglia), ihr Song »Carlo« ist aber nun nach dem Festival der einzige, der von den Radios und im Web gespielt wird (ganz im Gegensatz zum Gewinnersong »È vero« vom 15-jährigen Hänfling Alessandro Cassillo) . Celeste Aida schaffte es mit ihrer ohrwurmhaften Sommerpop-Nummer sogar zum Trending Topic auf Twitter. Und obwohl ich normalerweise gar nicht auf so locker-flockige Pop-Nummern stehe, muss ich gestehen, dass mir ihr “Carlo” seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf geht. Popmusik darf niedlich sein: Könnte sein, dass hier ein zukünftiger Star geboren wurde – das wird dann die Zukunft zeigen. Sofern es in der heutigen Popmusik noch echte, dauerhafte Stars geben kann.

2 Antworten zu “Sanremo 2012, Nachlese – Part III: Celeste Aida – Carlo”
  1. Karin sagt:

    Musik und Wein im Norden Italiens
    Zuerst einmal, schön, dass du wieder „on“ bist und es deinen Italien-Blog wieder gibt!
    Zu deiner Sanremo-Nachlese: mir haben Gigi d´Alessio und Loredana Berté gefallen, aber das ist ja nun Geschmacksache.
    Keine Geschmackssache ist sicher das Erdbeben in der Emilia Romagna. Jeder der die Region kennt, durch die Städte geschlendert ist und die Leute kennen gelernt hat, kann vielleicht erahnen, welche Tragödie sich ereignet hat. Doch nicht zum ersten Mal zeigen jetzt italienische Musiker ihre Solidarität mit den Betroffenen. 14 italienische Top-Acts werden am 22.09.2012 auf dem Campovolo in Reggio Emilia ein Benefiz-Konzert geben. Dort wo, wie Fans wissen, Luciano Ligabue in seiner Heimat gern vor mehr als 100.000 Besuchern auftritt. Unter anderem sind meine Favoriten Tiziano Ferro, Lorenzo Jovanotti, Luciano Ligabue, Laura Pausini, Giorgia und Zucchero dabei. Karten sind zu beziehen über http://www.ticketone.it unter dem Namen „Italia loves Emilia“ zum Preis von 25,00 € je Stück plus einmalig 20,00 € für die Lieferung. Also dann, viel Spaß auch!
    Und wenn man sowieso schon im nördlicheren Teil Italiens weilt …
    Vom 27.-30.09.2012 findet in Bardolino die „Festa dell´Uva e del Vino“ statt, das Weinfest mit Kultstatus. Wie jedes Jahr Ende September und Anfang Oktober bieten nahezu alle Winzer der Region entlang der Uferpromenade ihren rubinrot leuchtenden und köstlichen Bardolino zum Probieren an. Dazu werden noch die leckeren lokalen Gerichte wie Risotto, Fisch, gegrilltes Fleisch sowie weitere Delikatessen angeboten. Weitere Informationen sind unter http://www.festadelluvaedelvino.com eingestellt.

    Was ist sonst noch los:

    In Monza können Sie noch bis zum 30.09.2012 in der Villa Reale di Monza mehr erfahren über das Leben der bemerkenswerten Königin Margherita. Sie war eine moderne, fortschrittliche Frau und das Symbol Italiens, nicht nur wegen der nach ihr benannten Pizza.
    Also dann, bis bald in Italien …
    Alla prossima volta Karin

  2. bono sagt:

    na, mit castingshows scheinen sich also auch die italienischen teenies zu beschäftigen. und ganz klar, dass die mädels motiviert dabei sind ;)

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