Logo Sanremo 2012 (c) rai.itDie vielleicht größte Überraschung des 62. Festival della Canzone Italiana aka. Sanremo 2012 war für mich die Sängerin Arisa. Ich hatte die junge Süditalienerin als äußerst skurrile, aber wirklich nicht sonderlich geschmackssichere, teilweise sogar extrem nervtötende Interpretin nichtssagender, auf altmodisch getrimmter Ohrwurm-Lieder kennengelernt. Beim Publikum kam sie damit allerdings ziemlich gut an: Sie hatte bei Sanremo 2009 den Nachwuchswettbewerb mit einer elend nervigen Nummer gewonnen und wusste sich im Folgejahr bei den Big mit einer ähnlich gearteten Nummer ebenfalls gut in Szene zu setzen. Vielleicht bin ich zu alt für diese Art von Ironie? Ich fand sie in Vergangenheit auf jeden Fall ziemlich schrecklich.

Doch mit der schön arrangierten Ballade “La notte” konnte sie mich wirklich überraschen – und überzeugen. Was bei ihren bisherigen Auftritten in Sanremo völlig unterging, ist ihre wirklich exzellente Stimme. Unterstützt vom Progressive-Rock-Helden Mauro Pagani (PFM u.a.) konnte sie mit ihrem zeitlosen Song und einem unprätentiösen Auftritt bei mir vor allen anderen Frauen punkten. Ihr zweiter Platz in der Endabrechnung am Finalabend geht wirklich in Ordnung, gerade wenn man bedenkt, wofür das Festival eigentlich steht (denn es heißt »della canzone italiana«, nicht »dei cantanti italiani«): Hier stand das Lied und nicht die Extravaganzen der Sängerin im Mittelpunkt. Sicher, es ist nur eine typisch italienische Ballade – aber es ist eben eine Ballade, für die man sich nicht fremdschämen muss, weil sie völlig unkitschig bleibt.

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