Finanzkrise in Italien? Wir streiten lieber weiter
Geschrieben von sal in Politica, tags: Berlusconi, FinanzkriseNicht, dass es irgendetwas Neues zu sagen gäbe bezüglich der weltweiten Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf Italien; nicht, dass es verwunderlich ist, dass das riesige italienische Defizit nun ins Blickfeld der Finanzmärkte gerät und Anlass für Spekulationen ist, aber es ist doch immerhin bemerkenswert, dass die italienische Politik genau so reagiert, wie man es nach der Abwertung italienischer Staatsanleihen durch die Rating-Agentur Standard & Poor (Nomen est omen?) erwarten konnte. Statt konstruktiv und aktiv an der Überwindung der Vertrauenskrise zu arbeiten, wird nun fleißig gestritten. Berlusconi gibt den bösen Medien die Schuld (die Richter kann er ja dafür leider nicht direkt verantwortlich machen), die Opposition gibt (nicht ganz zu Unrecht) Berlusconis stillstehender Regierung die Schuld und fordert seinen Rücktritt ohne eine sinnvolle Alternative zu präsentieren, weder personell noch politisch, die Lega Nord verfällt in populistische Sezessionsankündigungen und tut so, als sei sie gar nicht mehr Teil der Regierung, die diese Vertrauenskrise herbei geführt hat, kurzum: Alle streiten, keiner handelt. Das unausgegorene Sparpaket der Berlusconi-Regierung wird durchgeboxt (und noch weitere werden folgen), die Opposition redet viel und laut, bleibt aber letzten Endes ohnmächtig, weil sie sich durch eine Totalverweigerung die Mitgestaltungsmöglichkeit an diesen Entscheidungen von nationalem Interesse verbaut hat. Und blickt man in die italienischen Zeitungen, dann scheinen Berlusconis Sex, Lies & Videotapes, Bossis Padania und natürlich die fußballerische Krise von Inter wichtiger zu sein, als die Auswirkungen der Herabstufung auf den angestrebten Ausgleich des Staatsdefizits. Das Kind fällt gerade in den Brunnen, aber … ach … es fällt ja noch, es ist nicht aufgeschlagen und selbst wenn es im Wasser zu ertrinken droht, wird man in Italien einen Weg finden, die Auswirkungen zu ignorieren und lieber noch ein wenig zu streiten. Nicht um der Sache wegen, sondern aus Reflex, aus Ritual und aus purem Hass gegenüber dem gegnerischen politischen Lager.
Nein, wirklich nichts Neues. In Italien bewegt sich nichts. Und es wird sich auch nichts bewegen, solange die Konstellation unter Berlusconi so festgefahren bleibt. Und Neuwahlen oder eine wie auch immer geartete andere, neue Regierung wird vermutlich nicht viel besser mit den Problemen umgehen können, denn sie wird sich genauso im Kreuzfeuer einer lautstarken, destruktiven Kritik befinden, wie die Regierung jetzt.


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