"Grazie italia" - Titelblatt der Print-Ausgabe der Unità vom 31. Mai 2011Die linke Tageszeitung L’Unità bringt es mit seiner heutigen Schlagzeile der Print- und der Web-Ausgabe auf den Punkt: Grazie Italia, Danke Italien. Man hätte schon fast den Glauben daran verlieren können, dass das italienische Volk jemals aus der medialen, propagandistischen Einlullung der rechtspopulistisch/ wirtschaftliberalen Regierung Berlusconis und seiner Lakaien und Schergen und ihrer Medienmacht aufwacht, aber spätestens bei den Stichwahlen am Wochenende haben die Italiener von Norden nach Süden eindrucksvoll bewiesen, dass sie sich nichts mehr vormachen lassen wollen und dass sogar die wenig überzeugende Opposition in Italien eine bessere Alternative zum Status Quo darstellt.

  • Mailand: 55,1% für den Bürgermeisterkandidaten des Mitte-Links-Bündisses Pisapia, 44,9% für Berlusconis ausdrückliche Kandidatin Moratti
  • Neapel: 65,4% für den erklärten Berlusconi-Gegner De Magistris, 34,6% für den Berlusconi-Mann Lettieri
  • Cagliari: 59,4% für den Mitte-Links-Kandidaten Zedda, 40,6% für den Mitte-Rechts-Kandidaten Fantola
  • Triest: 57,5% für den Mitte-Links-Kandidaten Cosolini, 42,5% für den Mitte-Rechts-Kandidaten Antonione

Schon im ersten Jahrgang vor zwei Wochen waren die absoluten Mehrheiten in den wichtigen Städten Turin, Bologna und Olbia an die Mitte-Links-Kandidaten gegangen.

Insgesamt konnten Mitte-Links-Kandidaten in 60 Gemeinden die erforderliche absolute Mehrheit erringen, das sind 11 mehr als bei den Kommunalwahlen 2006. Erstaunlich ist, dass die Regierungskoalition auch viele ihrer Hochburgen im Norden und im Süden verloren hat – vor allem in den großen Städten sitzen nun “Kommunisten” (wie Berlusconi sich auszudrücken pflegt) im Stadtrat.

Schlagzeile von libero-news.it am 30.05.11Berlusconis Partei-Hauspostille “Libero” titelte gestern:

Mailand und Neapel an die Linken:
Genießt euren Kommunismus.
Milano-Napoli a sinistra:
Godetevi il comunismo.

Wenn die Ära Berlusconi endgültig vorbei sein wird (und das kann noch dauern, machen wir uns nichts vor), dann werden sich die bürgerlichen Parteien Italiens überlegen müssen, ob sie auch programmatisch zu neuen Antworten gelangen können. Der plumpe, demagogische Anti-Kommunismus Berlusconis (Was für Kommunisten eigentlich?) und der bigotte, weltfremde Katholizismus der christdemokratischen Zentrumsparteien scheint in absehbarer Zeit auf jeden Fall nicht (mehr) mehrheitsfähig zu sein. Für eine gut funktionierende Demokratie wird es aber zwingend notwendig sein, dass die großen politischen Lager substanzielle Lösungsvorschläge anbieten. »Dagegen sein« wird auf Dauer nicht ausreichen. Und es löst die ökonomischen und ökologischen Probleme Italiens nicht.

Ich weiß, dieser Wahlsieg ist noch keine substantielle Alternative für Berlusconis Politik. Auch das wenig einige Mitte-Links-Lager muss noch sehr an seinen Konzepten feilen, um eine regierungswürdige Alternative darzustellen – aber der Erfolg der demokratischen Oppositionsparteien macht den Italienern (im In- und Ausland) Mut, dass es doch eine Alternative zum “Belusconismus” geben kann. Und zum plumpen, rechtspopulistischen Separatismus der Lega Nord.

Darum noch einmal:

"Grazie italia" - Screenshot der Online-Ausgabe der Unità vom 31. Mai 2011

Grazie Italia.

 

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