Der Patriotismus der Squadra Azzurra, der italienischen Fußball-Nationalmannschaft ist wirklich bemerkenswert, schließlich heißt es ja in der Hymne »Dov’è la vittoria?« also Wo ist der Sieg… Tja, wo ist er denn gestern geblieben? Sicher, man könnte jetzt die üblichen Ausreden bemühen: Abseitstor, zahlreiche brutale Fouls der Neuseeländer am Anfang des Spiels nicht adäquat geahndet, Pech usw. – aber in Wirklichkeit präsentiert sich das Team um Coach Marcello Lippi als ideenloses, pomadiges Team, das den fußballerischen Herausforderungen keine eigenen Konzepte entgegenzusetzen kann. Dass auch andere “große” Mannschaften enttäuscht haben – Frankreich, Spanien, Deutschland, England usw. – ist kein Trost. Ich empfinde keine Häme, wenn andere große Mannschaften verlieren oder schlecht spielen, mir tut es sogar wirklich leid, wenn ich sehe, wie schwach sich große Fußballnationen hier präsentieren.
Hatte ich noch nach der EM gehofft, dass man die zwei Jahre bis zur Weltmeisterschaft nützt, um eine neue Mannschaft aufzubauen, muss ich erkennen, dass die Nazionale immer noch mit denselben Leistungsträgern bestückt ist und dass die neuen Spieler – mit Ausnahme von Pepe – keine echte Verstärkung fürs Team bedeuten. Ob Italien nun die Vorrunde übersteht oder nicht (eigentlich ist Italien ja dafür berüchtigt, dass sie sich immer haarscharf durch die Vorrunde bei Turnieren schlängeln), ob sie das Achtel-, Viertel- oder gar Halbfinale erreichen (was mir allerdings sehr unwahrscheinlich erscheint): Ich bin von meinem Team enttäuscht. Da ist kein Teamgeist, keine Spielfreude, keine Kreativität, keine Taktik drin – und auch keine überragende Abwehrleistung (worauf Italien ja immer sehr stolz war).
Lega Nord hält zu den Gegnern der Azzurri
Richtig schlimm finde ich die Schmutzkampagne vom Lega-Nord-Radiosender “Radio Padania”, die die Spiele live *gegen* das italienische Team kommentieren und jedes Gegentor der italienischen Mannschaft emphatisch bejubeln (→ Hier ein Bericht in der englischen Financial Times darüber): Schließlich sehen sich die Hardliner der separatistischen Rechtspopulisten nicht als Italiener, sondern als Padanier (was auch immer das sein soll). Die Spaltung der italienischen Gesellschaft schreitet voran und die Nationalmannschaft, in jedem Land ein einigender Faktor, spielt mäßig: Ein gefundenes Fressen für die Schwachköpfe von Umberto Bossi und Co. und viel zu viel Verantwortung für einen Haufen Fußballer. Povera patria…
Von (gut gemeinten oder hämischen) Beileidsbekundungen bitte ich abzusehen. Ich wollte mir nur einmal ein wenig die Enttäuschung von der Seele schreiben. Und das Blog wieder aus seinem Dornröschen-Schlaf erwecken.

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