Gerade ist die 60. Ausgabe des Festival della canzone italiana di Sanremo zu Ende gegangen und siehe da: Ich lag gar nicht mal so falsch:

Gewonnen hat

vor

  • Marco Mengoni – Credimi ancora
  • Pupo, Emanuele Filiberto con il tenore Luca Canonici – Italia amore mio

Vor allem Pupo & Co. haben im Teatro Ariston einmal mehr für Tumulte gesorgt, vor allem als bekannt wurde, daas das Trio im “Superfinale” der letzten drei gelandet sind, die die ersten drei Plätze unter sich ausmachen. Aber offenbar gab es draußen genügend Leute, die das nationalistische Geblubber toll fanden. Ich hatte ja schon zuvor vor dem Televoting gewarnt. Gewonnen hat der harmloseste, austauschbarste und langweiligste Song im Feld. Der extravagante Marco Mengoni war dann doch eine Nummer zu abgedreht, Pupo & Co … naja, kein Kommentar. Ich geh ins Bett, morgen gibt es noch die Nachlese: Es ist vorbei.

7 Antworten zu “Sanremo 2010 – And the winner is…”
  1. Frau Anonym sagt:

    Was heisst hier “Es ist vorbei, ich geh ins Bett”?!?!
    Nichts ist vorbei, von dem, was in der Repubblica delle banane abgeht, wie kann irgendjemand, der mit halbwegs wachem Hirn diese Gehirnwaesche verfolgt, noch ruhig schlafen?!?
    Dass die ganze RAI seit der Uebernahme durch cribio-Silvio eine einzige Propagandamaschinerie ist, ist ja bekannt, und dass ein mehrtaegiges Schnulzen-Festival wie das in San Remo vor allem der Berieselung ansonsten vielleicht zu aktiver Denkapparate dient, sollte auch jedem klar sein. Dass die angebliche Televoterei eine Farce ist, kann man sich an fuenf Fingern abzaehlen, und dass der erste und dritte Platz jeweils von Produkten der RAI-Musikindustrie belegt wurden und der – meistgehoerte, meistdiskutierte und deshalb gehirnwaeschetechnisch wichtigste – Titel auf dem Silbermedaillentreppchen gelandet WURDE, beschreibt ja wohl wunderbar die Aussagekraft dieses sogenannten Televotings.
    Berlusconi = Nationalismus, Einschraenkung bis Aufhebung der Meinungs- und Pressefreiheit usw, = RAI = “Italia amore mio” von diesen drei geldgeilen Marionettchen.
    Eure Majestaet Emanuele etc. taete gut daran, seinen Beitrag zur bisher kaum geleisteten Vergangenheitsbewaeltigung Italiens zu leisten, d.h. auch ehrlich mit der Geschichte seiner auf’s Engste mit dem italienischen Faschismus verbandelten Familie umzugehen, mithin Aufklaerungsarbeit zu betreiben, anstatt uebelste Schwulstpropaganda zugunsten dieses korrupten Regimes zu dichten – und diese Erguesse auch noch in bester Schultheatermanier vorzutragen.
    Mir wird schlecht, wenn ich an die aktuelle politische Situation in Italien denke, an die Traegheit, mit der die Italiener darauf – NICHT – reagieren, aber auch an die Ignoranz der auslaendischen Beobachter, die sich ueber die clownesken Ablenkunsmanoever Silvios und die perueckenbewehrten Schnulzensaenger mokieren, ohne zu betonen, dass Zustaende wie die im Land, wo die Bananen bluehen, mitten in Europa nicht hinnehmbar sein duerfen.

  2. anna sagt:

    ich hab es satt… aber wirklich satt diese ganzen mist zu lesen!!! deine kritik über den gesamten festival hättest du dir ersparen können!!! es war ein sehr schönen festival und uns italiener hat es sehr wohl gefallen, trozt allem… wenn ihr keine ahnung habt was gute musik ist, dann solltet ihr euch was anderes im fersehen anschauen, es gibt genügend programme zur auswahl die richtigen müll senden!!!

  3. luigi lorusso sagt:

    Kann man sich schämen Italiener zu sein?
    Ja, man kann!

    Da das Ganze nicht schlimm genug war und notwendigerweise etwas ernstes geschehen mußte gab es eine tolle “politische Runde”.
    Sinnlos, fehl am Platz, peinlich, demagogisch, barock, arrogant??? Wie wollen wir das benennen? Ja, die Krönung der Sinnlosigkeit ist ein guter Begriff dafür. Vielleicht sollte man, bei Versammlungen und Beratungen in Fabriken usw…, ab und zu auch einige Sänger einladen und für ihre Lieder dann abstimmen können, es wäre auch eine machbare Variante oder?
    Danke für deine Kommentare, sal.
    Ciao da Dresda

  4. sal sagt:

    Wenn Du in den entsprechenden italienischsprachigen Foren nachguckst oder in den Kommentaren auf den Tageszeitungen liest, dann wirst Du feststellen, dass ich beileibe nicht der einzige bin, der mit dem Niveau des Festivals nicht zufrieden war. Ich bin übrigens auch Italiener. Aber muss man Italiener sein, um seinen Geschmack formulieren zu dürfen? Natürlich nicht, Sanremo wird zwar so behandelt, ist aber wirklich kein Heiligtum. Ich erinnere mich an grandiose Festivals (die beiden, die Fabio Fazio 1999 & 2000 moderiert hat), wo die gesamte italienische Pop- und Rock-Szene angemessen repräsentiert wurde und nicht nur ein konturloser Durchschnitt des radiotauglichen Mainstreams. Was die “keine Ahnung von guter Musik” anbelangt, ist dies natürlich ein schnell formulierter Vorwurf, den man jemanden an den Kopf knallen kann, ohne ihn zu belegen. Aber klar: Wenn ich mit einer Meinung nicht einverstanden bin, dann werde ich auch schon mal unsachlich. Wenn es Dir/euch gefallen hat, dann erfreue Dich an der schönen Woche, die Du verbracht hast. Ich hingegen hoffe auf bessere Zeiten.

  5. sal sagt:

    Luigi, lasciati abbracciare. Ich bin nun wirklich niemand, der sich gegen niveauvolle und kritische Unterhaltung im TV wehrt, aber die traurige Podiumsdiskussion (übrigens mit manipulativen Fragen von Costanzo) ohne jegliche Anbindung an das Festival war wirklich das peinlichste Feigenblatt, dass ich jemals bei Sanremo gesehen habe. Das i-Tüpfelchen war dann auch noch der Politiker-Sermon, hübsch nach politischem Lager geordnet (Italien hat diesen fast schon manischen par condicio-Komplex) inklusive der unverschämten Zwischenrufe aus dem jeweiligen anderen Lager.
    Früher sind die Komponisten tatsächlich in die Fabriken gegangen und haben mit ihnen über Politik und über ihre Musik diskutiert (der Komponist Luigi Nono hat das getan), heute nutzt man ein Schlagerfestival, um den Schein zu wahren, dass man sich um die Probleme der anderen, weniger glücklichen kümmert. Die armen Arbeiter, kamen doch kaum zu Wort, konnten kaum etwas von ihrer Wut und ihrer Verzweiflung formulieren. Wirklich traurig…

  6. sal sagt:

    @ M. A.: Deine Wut ist natürlich berechtigt, ebenso wie Dein Einwand, dass man nach dieser Gehirnwäsche kaum ruhig schlafen kann. Du weißt vermutlich ebenso gut wie ich, dass diese Gehirnwäsche der Medien in Italien seit rund 25 Jahren läuft, jeden Tag, auf allen Kanälen.
    Ich habe mich vor einigen Monaten mit einem Avantgarde-Sänger unterhalten der mir, der schon lange in Deutschland lebt, noch einmal vor Augen geführt hat, dass schon eine ganze Generation die mediale Lobotomie über sich ergehen lassen musste. Künstler, die heute in Italien abseits des ewig-Lächelns, der ewigen Jugend, der ewigen guten Laune (oh wie ich dieses ständige Gegrinse und Scherzen im TV hasse, die eingespielte Werbung ‘messaggio promozionale”, wo sich Moderatorenregelmäßig lächerlich machen für Glühbirnen, Frischkäse, Telefone und sonstigen Blödsinn) kreativ sind, treffen heute auf eine breite Schicht, deren schlicht und einfach das simpelste Rüstzeug fehlt, um sich mit neuen Dingen zu beschäftigen, sich ohne Werbeblöcke auf etwas zu konzentrieren.

    Berlusconi ist für mich nur ein Symptom einer Geisteshaltung, die tief in unserer Gesellschaft verwurzelt ist. Wenn er abdanken müsste, was er gewiss zu verhindern weiß, dann wird es andere geben, die in seinem Sinne Politik machen werden: Arroganz, chauvinistisch, nationalistisch, fremden- und minderheitenfeindlich. Das alles, um den schönen Schein zu wahren.

    Ich werde auch weiterhin, sofern ich Zeit dafür habe, kritisch über Italien, die italienischen Medien und Berlusconi berichten. Dieses Blog ist Ausdruck einer Meinung. Ich habe nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen, aber ich kann meine Positionen durchaus begründen.

    Übrigens würde ich mich sehr freuen, wenn der eine oder andere Kommentator als Gastautor (gerade auch regelmäßig) hier mitwirken würde. Vielleicht wäre es mal an der Zeit die vielen verstreuten deutschsprachigen Seiten über Italien zu bündeln und daraus ein würdiges gemeinsames Sprachrohr zu machen, auch weil tatsächlich eine kritische und differenzierte Berichterstattung in den deutschen Medien nicht stattfindet. Was kümmern mich Berluscas Weibergeschichten (die allerdings widerlich sind), wenn in Wirklichkeit innen- und außenpolitisch Italien am Rande des Völkerrechts und der demokratischen Spielregeln agiert.

    Zu der Idee gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen demnächst mehr.

  7. Claudius sagt:

    Nun, ich habe das Finale am Samstag zusammen mit italienischen Freunden angeschaut und ich musste meine ganze Überredungskraft einsetzen, damit ich die Sendung bis zum Schluss anschauen durfte. Eigentlich habe ich die letzten Tage niemand getroffen, der mit dem Ergebnis einverstanden war, an allen Bartresen wird geschimpft. Trotzdem glaube ich nicht, dass beim Televoting manipuliert wurde, oder gar Berlusconi die Finger im Spiel hatte. Den Vorwurf habe ich nun oft gehört. Die kleinen Mädchen die auf Scanu stehen, tippen einfach schneller ihre SMS. Und es gibt eben genügend Italiener, die bei einem singenden Prinzen schwach werden. Ich habe die drei Siegertitel jedenfalls seither nicht im Radio gehört, während Noemi, Malika und Arisa rauf und runter gespielt werden. Ich denke der politische Einfluss von Sanremo ist etwas überschätzt. Da finde ich es interessanter zu beobachten wie sich der PD im Vorfeld der Regionalwahlen selbst zerlegt. Silvio muss ja nur zuschauen.

  8.  
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