Schlammschlacht nach Angriff auf Berlusconi
Geschrieben von sal in Panorama, Politica, tags: Angriff, Berlusconi, Cicchitto, Di Pietro, Fini, Italia dei Valori, Lega Nord, Partito Democratico, Popolo della LibertàIn Italien ist die Schlammschlacht nach dem tätlichen Angriff auf den Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi in vollem Gang. Der Fraktionsvorsitzender des Popolo della Libertà Fabrizio Cicchitto spricht von einem »Netzwerk des Hasses« und einer »Hasskampagne, angestiftet von der Espresso-Repubblica-Verlagsgruppe«. Parlamentspräsident (und Parteifreund) Gianfranco Fini hat diese Äußerung als geradezu »brandstiftend« verurteilt. Dafür hagelte es nicht wenig Kritik von seinen Parteifreunden und dem Koalitionspartner Lega Nord.
Cicchitto führte weiter aus, dass neben diesem Netzwerk des Hasses vor allem Antonio Di Pietro (Italia dei Valori) und Teile des Partito Democratico die Situation offenbar ausnutzen wollten, um die »politische Auseinandersetzung in eine Art kalten Bürgerkrieg« verwandeln wollen.
Entsprechend heftig fielen dann die Gegenreaktionen der Beschuldigten aus, die alle vor Cicchittos Tiraden sich solidarisch mit der Person Berlusconi erklärt hatten und den Angriff unmissverständlich verurteilt hatten, teilweise aber darauf sich hinzuweisen gewagt hatten, dass dieser Gewaltakt möglicherweise einen Auslöser im Politikstil des Ministerpräsidenten gehabt hat.
→ Cicchitto parla di un “network dell’odio” e accusa la Repubblica e l’Espresso auf Repubblica.it
Il Popolo della Libertà nutzt die Gunst der Stunde
Die Berlusconi-Partei PdL nutzt auf ihrer Website ein Zitat Cicchittos »Der Gewaltakt auf den Präsident ist die Frucht des Hasses« und ein Grußwort von Silvio Berlusconi »Vielen herzlichen Dank an die vielen Italiener, die mir Nachrichten der Zuneigung und des Mitgefühls gesendet haben. Ich wiederholen allen unbeschwert zu bleiben und sich sicher zu fühlen: Die Liebe siegt immer über den Neid und den Hass« um neue Mitglieder zu werben»Iscriviti anche tu – Schreib auch Du Dich ein«.
Auf seiner offiziellen Unterstützer-Seite forzasilvio.it (“Vorwärts Silvio” in der Art eines Schlachrufs beim Sport “Forza Juve” o.ä., Anm. d Red.) kann man (nach einer Registrierung) Silvio Berlusconi auch ganz Web-2.0-ig Genesungswünsche übermitteln.
Berlusconi und Tartaglia
Der Ministerpräsident soll nach Angaben seiner Ärzte noch Schmerzen haben (er erlitt beim Angriff einen Bruch der Nasenscheidewand und eine mehrere Schnittverletzungen), wird aber möglicherweise heute das Krankenhaus verlassen. Mit einem Brief hatte sich der Angreifer Massimo Tartaglia bereits vorgestern bei Silvio Berlusconi für seine Wurfattacke entschuldigt. Darin brachte der 42-Jährige sein »tief empfundenes Bedauern über die feige Tat« zum Ausdruck. Derweil fördern die Zeitungen in Italien immer mehr Details über den Losertypen Tartaglia zu Tage. Man geht nicht von einer politisch motivierten Tat aus; Tartaglia ist in der Vergangenheit ein gescheiteter Künstler und Einzelgänger gewesen. Wieso er Silvio Berlusconi letzten Endes angegriffen hat, ist trotz zahlreicher Spekulationen noch im Dunkeln.


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