Einige Gedanken und Anmerkungen zum Angriff auf Silvio Berlusconi
Geschrieben von sal in Italy from elsewhere, Panorama, tags: Angriff, BerlusconiDass Silvio Berlusconi von einem offenbar geistig verwirrten Mann heute Abend in Mailand am Rande einer Parteiveranstaltung angegriffen wurde, ist selbst den Italien-scheuen deutschen Medien eine Schlagzeile wert. Berlusconi wurde von dem Mann mit einem harten Gegenstand, angeblich einer Miniaturausgabe des Mailänder Doms, angegriffen: Ein harter Schlag ins Gesicht und eine nicht zu übersehende Wunde an der Lippe haben den Ministerpräsidenten viel Blut gekostet. Der 42-jährige Täter soll bisher unbescholten gewesen sein, in letzter Zeit allerdings wegen psychischer Probleme in Behandlung gewesen sein. Welche Motive er für seine Tat hatte, sind unklar.
Mittlerweile hat Berlusconi aus dem Krankenhaus, in dem er sich zur Beobachtung aufhält, verlautbaren lassen, dass er »nicht zurückweichen« werde, dass er wie durch ein Wunder schlimmeren entgangen sei. Man weiß noch nichts über die genauen Motive, schon spricht man von einem terroristischem Akt und einem beunruhigenden Klima der Gewalt, kurzum: Man versucht die tätlichen Übergriff politisch auszuschlachten. Öl ins Feuer goss auch der ‘Erzfeind’ Berlusconis der ehemalige Staatsanwalt Antonio di Pietro (der Leader der Partei Italia dei Valori), der in einer ersten Stellungnahme zum Attentat meinte, dass der Ministerpräsident »mit seinem Verhalten und seiner Gleichgültigkeit Gewalt herausfordere«.
Politiker sind immer wieder Zielscheibe von tätlichen Angriffen. Zwei populäre deutsche Politiker, Oskar Lafontaine und Wolfgang Schäuble, waren Opfer zweier sehr viel heftigerer Angriffe. Beide hatten keinen politischen Hintergrund und wurden von geistig verwirrten Menschen begangen. Damals hat keiner in Deutschland versucht dies politisch auszuschlachten. Dass nun ein sehr viel geringerer Vorfall in Italien zur Demagogie genutzt wird, spricht Bände über die Würdelosigkeit der politischen Kultur Italiens. Und dazu hat Silvio Berlusconi in nicht unerheblichem Maße beigetragen. Das rechtfertigt freilich nicht den Angriff: Politik und Politiker sind, auch wenn sie uns oft gar nicht mehr so vorkommen, auch private Personen mit einer unantastbaren Würde und dem Recht auf körperliche Unversehrtheit.
Nicht der Angriff ist die Folge des vergifteten Klimas in Italien, sondern die schmutzige Wäsche, die nun von allen Seiten gewonnen wird ist die Folge (und ein Symptom) dieser niedergegangenen (politischen und gesellschaftlichen) Kultur Italiens.
→ Brutaler Angriff auf Berlusconi auf ksta.de


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[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Sal Pichireddu, Sal Pichireddu erwähnt. Sal Pichireddu sagte: Gerade gebloggt: Einige Gedanken und Anmerkungen zum Angriff auf Silvio Berlusconi http://bit.ly/7RrzHN [...]
Ich stimme diesem Blog vollkommen zu. Jeder Mensch besitzt würde, die unantastbar ist. Auch wenn Berlusconi sich im letzten Jahr wirklich nicht beliebt gemacht hat, rechtfertigt dies keinen tätlichen Angriff. Er sollte durch das Parlament seines Amtes enthoben werden oder aufgefordert werden zurückzutreten. Jedoch ist ein derartiges Attentat nicht heldenhaft. Viele feiern den Täter. Eins ist jedoch gewiss, die Haftstrafe für den Attentäter wird sehr lang werden.
Leider ist die politische Situation in Italien so würdelos, dass politische Gegner quasi entmenschlicht werden. Dazu haben die beiden Koalitionsfreunde Silvio Berlusconi und Umberto Bossi mit ihren markigen Sprüchen maßgeblich beigetragen. Die italienische Gesellschaft selbst ist gespalten in zwei unerbittliche Lager, die Berlusconi-Befürworter (was hat er aber politisch vorzuweisen?) und die der Berlusconi-Gegner. Zwischen diesen Lagern wird dieser Konflikt weiter unerbittlich weiter geführt: Ich habe noch nie so aggressive Diskussionspartner gehabt, wie bei meinen Gesprächen mit Berlusconi-Anhängern (dass ich Berlusconi-Gegner bin, sollte wohl aus meinen Beiträgen klar sein). Sicher, man verteidigt in Italien alles gerne etwas pathetischer, emotionsgeladener als in Mitteleuropa, diese Reaktionen gingen aber weit über das übliche Maß an italienischer Streitkultur und -Lust hinaus. Mehr als alles andere muss ich dem neuen Politik-Stil in Italien, für die Berlusconi wie kein zweiter steht, vorwerfen, dass er die sachlichen Diskussionen über alle Maße emotionalisiert hat, bis alles auf die eine Frage (Pro oder Contra) reduziert wird, bis ein tiefer Graben durch die Gesellschaft geht. Gegner werden Feinde: Von der Idee, dass die Exponenten des Staates eine Politik für das ganze Volk machen, hat man sich längst verabschiedet. Stattdessen führt man lieber einen Krieg gegen den politischen Feind. Italien braucht ein echtes politisches Erdbeben, dass die großmäuligen Demagogen von der Bühne verschwinden lässt und (endlich) Sachlichkeit in die politischen Diskussionen einkehren lässt. So lange egozentrische Leader wie Berlusconi, Bossi & Co. sich von ihren Anhängern feiern lassen, wie Rockstars, so lange es vornehmlich darum geht, den politischen Feind zu vernichten, so lange wird es in Italien keine gute Regierung mehr geben können. Besonnenheit tut Not – und ich sehe kaum jemanden, der dafür stehen könnte in Italien (schon gar nicht bei den Oppositionsparteien).
guten abend köln! hier noch ein kurzer beitrag aus berlin!
so weit ich mitbekommen habe, wurde berlusconi von einem psychisch
wenn nicht unbedingt kranken, aber vorbelasteten mann angegriffen….
auch schäuble, lafontaine, weizäcker, und kiesinger – wurden tätlich angegriffen, bis auf kiesinger, bei dem die ohrfeige politisch motiviert war, handelte es sich bei den anderen angriffen um die taten psychisch erkrankter…
dass in italien – im gegensatz zu den seinerzeitigen angriffen in deutschland -
aus den angriffen eine riesige schlammschlacht resultiert, und – zumindest von hier aus betrachtet – kein wort daran verloren geht, dass politiker eben auch exponierte, in der öffentlichkeit stehende menschen sind, die – neben politisch motivierten angriffen eben auch den ein oder anderen psychisch vorbelasteten
zu solchen taten verleiten können, ist schlichtweg schlechter stil….
abgesehen davon, dass berlusconi mit seinen sprüchen die fronten in italien und außerhalb verhärtet (so mit seinen äußerungen zum islam – er muss halt immer noch eins draufsetzen) und damit die ein oder andere aktion bewusst provoziert , wäre vielleicht auch ein mal eine sachliche auseinandersetzung zum einsatz der leibwächter vor ort angebracht….passiert aber nicht, weil es scheinbar nur noch um´s ausschlachten des angriffes für den eigenen politischen zweck geht….in italien wird´s auf die spitze getrieben, bei uns in deutschland geschieht aber allzu oft ähnliches….
scheint übrigen, dass “uns koch” in hessen an berlusconis führungsstil zunehmend gefallen findet – schaut doch mal mit den “zweiten”, da seht ihr´s
besser :0)
berlusconi-anhänger sind bei den italienern, die in berlin leben ja eher die minderheit, aber ich kenne schon welche – sie begründen ihre wahlentscheidung mir gegenüber mit ruhe und ordnung die in italien geschaffen werden, auch wenn sie seine sprüche und seine geschäfte
nicht unbedingt begrüßen…
…ich jedenfalls habe den eindruck, dass auch die opposition in italien berlusconi zu stark hat werden lassen…..und jetzt er eben da und regiert nach dem motto l´état c´est moi….louis XIV hätte ihn vielleicht als fernen nachbarn gemocht…
Ich denke der entscheidende Aspekt ist, dass es die Tat eines verwirrten Mannes war. Man kann nicht zur Zeit nicht einmal sagen, ob er aufgrund des vergifteten politischen Klimas seine Tat begangen hat oder ob er sie auch sonst begangen hat.
Und ja, wenn Berlusconi und Bossi von einem agressiven Klima sprechen, haben sie damit recht. Aber ihre Demagogie verstellt ihnen den Blick auf die eigene Verantwortung dafür.