All meinen Freunden und Bekannten, Lesern und Besuchern dieses Blogs wünsche ich frohe Weihnachten respektive un buon Natale, oder wie man in meiner Heimat Sardinien sagt Bonu Nadale. Und weil er definitiv besser singen kann, als ich, singt der junge Luciano Pavarotti nun für mich und für euch alle “Adeste fidelis”.
Das prestigeträchtige Musikblog Boing Boing hat in einem seiner letzten Artikel einen neuen Helden entdeckt: Adriano Celentano. Gegenstand der Betrachtung ist sein Song “Prisencolinensinainciusol” aus dem Jahre 1972, dessen Text ausschließlich in einer Art Pseudo-Englisch gesungen ist. Interessant ist, dass Celentano von den Kommentatoren des Blogartikels sogar als Vorläufer der Rapmusik (!) gepriesen wird. In der Tat ist die Nummer einer der allercoolsten Nummern des musikalischen Querkopfs und sehr funky; man beachte auch bitte die Choreographie.
Schade, dass Celentano in Deutschland vor allem wegen seiner unsäglichen und unsäglich synchronisierten Filme wahrgenommen wird (und bestenfalls als der Sänger von “Azzurro”). Celentanos Popmusik gehört zum ureigensten, was die italienische Musikszene zu bieten hat. Der Typ ist seit über 50 Jahren eine Institution in der italienischen Musik und hat zahlreichen Künstlern auf den Weg geholfen. Ohne Celentano wäre der Rock’n'Roll und alles, was danach kam nicht nach Italien gelangt.
Silvio Berlusconi ist heute Nachmittag nach einer ruhigen Nacht aus dem Krankenhaus entlassen worden. An Nase und Wange bandagiert, hat er seine Lust an der rhetorischen Selbstinszenierung offenbar nicht verloren: »Wenn sich nun der Ton ändert, sind meine Schmerzen nicht umsonst gewesen.«
In Italien ist die Schlammschlacht nach dem tätlichen Angriff auf den Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi in vollem Gang. Der Fraktionsvorsitzender des Popolo della Libertà Fabrizio Cicchitto spricht von einem »Netzwerk des Hasses« und einer »Hasskampagne, angestiftet von der Espresso-Repubblica-Verlagsgruppe«. Parlamentspräsident (und Parteifreund) Gianfranco Fini hat diese Äußerung als geradezu »brandstiftend« verurteilt. Dafür hagelte es nicht wenig Kritik von seinen Parteifreunden und dem Koalitionspartner Lega Nord.
Cicchitto führte weiter aus, dass neben diesem Netzwerk des Hasses vor allem Antonio Di Pietro (Italia dei Valori) und Teile des Partito Democratico die Situation offenbar ausnutzen wollten, um die »politische Auseinandersetzung in eine Art kalten Bürgerkrieg« verwandeln wollen.
Dass Silvio Berlusconi von einem offenbar geistig verwirrten Mann heute Abend in Mailand am Rande einer Parteiveranstaltung angegriffen wurde, ist selbst den Italien-scheuen deutschen Medien eine Schlagzeile wert. Berlusconi wurde von dem Mann mit einem harten Gegenstand, angeblich einer Miniaturausgabe des Mailänder Doms, angegriffen: Ein harter Schlag ins Gesicht und eine nicht zu übersehende Wunde an der Lippe haben den Ministerpräsidenten viel Blut gekostet. Der 42-jährige Täter soll bisher unbescholten gewesen sein, in letzter Zeit allerdings wegen psychischer Probleme in Behandlung gewesen sein. Welche Motive er für seine Tat hatte, sind unklar.
Öffentliche Musik soll in Italien nun (doppelt) kosten
Nicht nur die deutsche berühmt-berüchtige GEZ und die umstrittene GEMA kommen auf die abenteuerlichsten Ideen, um beim Konsumenten so oft und so viel wie möglich abzukassieren, auch in Italien schlägt die Unterhaltungsindustrie aufgrund der Krise verwunderliche Kapriolen.
Offenbar ist Berlusconi unter seinen eigenen engen Weggefährten längst nicht so unumstritten, wie es nach außen scheint. Bei einer Podiumsdiskussion in Pescara sprach der Parlamentspräsident Gianfranco Fini (enger Parteifreund von Silvio Berlusconi und maßgeblicher Partner bei der Gründung der Partei Popolo della Libertà) mit einem befreundeten Justizbeamten frank und frei über Berlusconi: Was er nicht wusste, die Mikros waren angeschaltet, so dass das ganze private Gespräch im Mitschnitt hörbar wurde. Unter anderem sagt Fini:
»Der Mann (gemeint ist Berlusconi, um dem es während des ganzen Gespräches geht, Anm. d. Red.) verwechselt die Zustimmung des Volkes, die er offensichtlich hat und die ihn legitimiert zu regieren, mit einer Art von Immunität gegen über jeglichen Organen staatlicher Gewalt – Justiz, Rechnungshof, Kassationsgericht (entspricht in etwa dem deutschen Bundesgerichtshof, Anm. d. Red.), Staatsoberhaupt, Parlament – weil er ja vom Volk gewählt ist…«
und
»Er verwechselt die Staatsführung mit einer absolutistischen Monarchie.«
Das gesamte Video des Gesprächs mit italienischen Untertiteln: