Trailer des Berlusconi-kritischen Films Videocracy wird nicht im TV ausgestrahlt
Geschrieben von sal in Cultura, Politica, Radio - TV - Stampa e Internet, tags: Berlusconi, Kino, Mediaset, Pressefreiheit, RaiItaliens staatliche Medienanstalt Rai und ebenso die private, Berlusconi-eigene Mediengruppe Mediaset (mit den populären Sendern Italia 1, Canale 5 und Retequattro) haben sich geweigert den Trailer für den im September in Italien anlaufenden Film Videocracy auszustrahlen. Der Film des in Schweden lebenden italienischen Filmemachers Erik Gandini enthalte «eine politische Botschaft und sei kein Film» (sic!), berichtete der Sprecher der italienischen Vertriebsfirma Fandango des Films Domenico Procacci über die Absage. Noch eindeutiger die Absage der Mediaset-Gruppe: «Sie haben gesagt, dass der Trailer ein Angriff auf das System des kommerzielle Fernsehen sei und sie es deswegen nicht für sinnvoll erachten würden, ihn auf den Frequenzen der Mediaset-Sender auszustrahlen».
Das schlimmste Argument sei gewesen, dass der Trailer «eine unmissverständlich regierungskritische politische Botschaft enthalte» weil er Bilder Berlusconis mit offiziellen Statistiken über die Chancengleichheit, die Pressefreiheit und den Informationszugang in Italien kombiniere.
Die Absage passt gut ins Bild eines veränderten Italiens, in dem Berlusconi die Medien wiederholt angegriffen hat, weil sie kritisch über die Regierung berichtet haben, das letzte Mal vor einigen Wochen im Rahmen eines Interviews auf Raitre (italia-blog.de berichtete).
Schon zuvor hatte der Film in Italien für Aufsehen gesorgt, als bekannt wurde, dass er nicht für den Wettbewerbe der Filmfestspiele in Venedig zugelassen wurde und erst nach massiven Protesten außer Konkurrenz im Rahmen des Festivals gezeigt werden wird. In Italien nimmt die Zensur, vor allem eine Art Auto-Zensur, immer weiter zu. Die für Demokraten jeglicher Couleur absurde Forderung regierungskritische Äußerungen zu unterlassen (und eine kritische Äußerung kann auch eine kritische Frage sein), wird offenbar von den Italienern immer mehr akzeptiert.
→ La Rai rifiuta il trailer di Videocracy “E’ un film che critica il governo” auf repubblica.it



Einträge (RSS)
Videocracy…
Normalerweise will ich nicht Artikel meiner verschiedenen Blogs crossposten, aber da uergsel.de mit Abstand die meisten Leser hat, erlaube ich mir ausnahmsweise mal einen “Programmhinweis” in eigener Sache: Auf den Seiten meines jüngsten Blogprojekte…
[...] link is being shared on Twitter right now. @italia_blog said Gerade gebloggt: Trailer des [...]
Ich fürchte, dass der Film, wie alle Kritik an Berlusconi, im Ausland bekannter werden wird als in Italien selbst. Ich frage mich, was geschehen muss, damit den Italienern die Schuppen von den Augen fallen. Ein Erdbeben reicht jedenfall nicht aus.
Ich bin da ehrlich gesagt auch ratlos: Vielleicht würde diesmal nicht einmal ein Skandal à la “mani pulite” ausreichen, um den Ekel in der italienischen Gesellschaft zu provozieren. Meine Landsleute haben mehrheitlich einen beunruhigenden Reflex entwickelt, der sie Berlusconi alles verzeihen lässt, was er macht. “Das machen doch alle – B. ist halt so klug und lässt sich nicht erwischen”. Und selbst wenn er erwischt ist, behauptet er so lange, dass er nicht erwischt wurde, dass sie es ihm bereitwillig glauben. Berlusconi ist wie die Personifizierung und Maximierung der schlechten Charaktereigenschaften eines sehr oberflächlich gewordenen Landes. Sicher gibt es eine Opposition in Italien (ich meine nicht die PD), aber in der medienregierten Welt Italiens hat diese keine Chance, wenn Italien sich mehrheitlich weigert, die Augen zu öffnen und das Gehirn wieder zu benutzen.
Das neue “Land des Lächelns” hat einen mehr als faden Beigeschmack bekommen.